Der Dschungel und das kleine Haus am Meer

Im Haus am Meer sitzen wir auf ein paar Kissen am Boden und fragen etwas enttäuscht: „Is the wifi off again?“. San der gerade vorbei läuft, hält kurz an, macht ein ernstes Gesicht und zeigt mit einem Finger sarkastisch auf seine nicht vorhandenen Tränen, dann läuft er weiter.

Wir schmunzeln, tragisch ist es schon nicht, und doch waren wir gerade mitten in einer spannenden Folge Suits. Wir legen das Handy weg und beobachten ein wenig die schwedische Familie, die auf den Kissen neben uns um ein paar kleine Tische sitzt. Ich finde eine der Frauen sieht genauso aus wie Kate Winslet, Stephen kneift die Augen zusammen und während wir darüber diskutieren ob ich ein Foto mit ihr machen soll, obwohl mir bewusst ist, dass Kate englischer Abstammung ist, fängt das jüngste Mitglied der Familie zu weinen an. Einer der „Smile-Bungalow-Jungs“ kommt zum Tisch herbei geeilt und bietet seine Hilfe an. Er läuft geduldig mit dem Säugling durch das Häuschen am Strand und versucht mit seinem Gesang die Lautsprecher, die im Restaurant laut Justin Bieber spielen, zu übertönen. Wie auch immer er das tut, es funktioniert, der Kleine wird schnell still und schläft den ganzen Abend friedlich in seinen Armen.

Erstaunlich ist nicht nur, wie der junge Mann das Kind beruhigt, sondern auch dass wir nicht sagen können, ob jener San’s Bruder oder sein Sohn ist. Denn San hat ein unglaubliches Gesicht, er könnte alles zwischen 16 und 45 Jahre alt sein.

Verwirrt nimmt Stephen einen Schluck Chang Bier und ich streichle den Hund, der gerade seinen grossen Kopf in meinen Schoss legt. Ich nenne ihn liebevoll Balthasar, da sein grimmiges Gesicht mich an die erste Begegnung mit dem Bruder einer Freundin erinnert. Balthasar, sowie auch seine Freunde Melchior und Caspar (inspiriert durch den ersten Namen und doch irgendwie passend zu dieser besinnlichen Weihnachtszeit) sind grosse Fans von uns und schlafen manchmal sogar vor unserem Bungalow auf der Terrasse.

 

Die schwedische Familie bezahlt und macht sich auf den Heimweg entlang des kleinen Strandes zurück zum Hotel nebenan. Auch die zwei Jungs aus Deutschland verabschieden sich. Dezent werden wir schliesslich rausgeschmissen. „We go to sleep“ Sagt San, der Mann weniger Worte. Es ist schliesslich schon 23:00, wir packen unsere Sachen und machen uns auch auf ins Bett. Auf dem Weg zum Bungalow treffen wir nicht selten auf kleine (oder grössere) Krebse und/oder Kröten.

Irgendwie werde ich diese Insel schon vermissen denke ich, während mir all die gemütlichen Abende im Haus am Meer durch den Kopf gehen als wäre alles ein Abend, ein Film und doch ein Leben gewesen.

Ich knalle mit meinem Knie irgendwo gegen etwas im vollen Jeep. Es schüttelt mich schon seit gut 30 Minuten durch und auch Stephen und die zwei Deutschen halten sich nur mühsam am Sitz fest. Unsere letzte Fahrt vom Strand durch den Dschungel in die Zivilisation. Es wird schon gut sein nicht mehr so abgeschieden zu leben. Der kleine Mann, der den Jeep fährt, hält konzentriert das Steuer. Dadurch dass er so klein und schmal ist und das Steuer so fest umklammert, erinnert er etwas an einen 10 Jährigen in einem Spielzeugauto. Doch auch bei unserer letzten Fahrt, bringt er uns sicher über die halbkaputte Brücke, den steilen, sandigen Hang hoch und lädt uns ohne ein Wort am Hafen aus.

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