Das Funkeln der Sterne im Meer- Luminous Plankton

Nachdem ich aus Angst vor dem dunklen weiten Meer damals auf Koh Rong meine Chance auf „Plankton Swimming“ verpasst habe,  freue ich mich riesig, als meine Freundin Nadia verkündet, dass sie das mit mir nachholen möchte.

Die Sonne scheint und Stephen, Nadia und ich hocken zusammen an der Rezeption, als ein kleines, weisses Auto vor dem Tor anhält. „Das muss Tun sein!“ Meint Nadia erleichtert, nachdem wir schon vor einer halben Stunde hätten abgeholt werden sollen. Wir packen unsere zwei Badebeutel und verabschieden uns von Stephen, der lieber weise die Stellung an der Rezeption hält.

Am Strand von Otres 1 lädt er uns ab und verkündet, dass wir in der kleinen Bar am Meer noch auf 15 weitere warten sollen. Eine halbe Stunde später stellt er uns dem Kapitän vor, der gebrochen Englisch spricht und erwähnt noch beiläufig, dass es doch keine anderen gibt. Eigentlich sollte man so etwas komisch finden, aber Tun’s Firma arbeitet mit unserem Bungalow Resort zusammen und ich habe ihn auch schon ein paar mal  bei uns gesehen. Auch nachdem man ein paar mal in Kambodscha Bus gefahren ist, braucht es viel, damit man abrupte Planänderungen wieder komisch findet. Der Kapitän, von mir gut gelaunt „Kapitanski“ genannt, was ihn nicht zu stören scheint, führt uns am Strand entlang. Tun verabschiedet sich und spricht sonnende Menschen auf die morgige Plankton Tour an. Plötzlich läuft Kapitanski wortlos ins offene Meer auf ein kleines Motorboot zu. Nadia und ich ziehen unsere Hosen aus, heben die Beutel über unsere Köpfe und folgen ihm durch die Wellen zum Boot. Als wir beide ins Boot geklettert sind und uns die zwei besten Plätze ausgesucht haben, fahren wir los durch die Abendsonne.

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Wir halten vor einer kleinen Insel an. Ein paar Meter neben uns hält ebenfalls ein Boot, das überquillt ist mit Passagieren. Das Boot wackelt gefährlich in den sanften Wellen und die Leute vom Boot rufen den Leuten, die mittlerweile im Meer schwimmen, Sachen zu. Kapitanski gibt Nadia und mir je eine Taucherbrille und einen Schnorchel und installiert dann seine UE-Boom Box mit der er so laut Justin Bieber hört, dass die Rufe der Gruppe nebenan untergehen. Vor der beidseitigen Lärm-Beschallung fliehend, springen wir ins warme Wasser und schnorcheln eine Weile um die kleine Insel und bestaunen die Korallen und bunten Fische. Als die Sonne langsam untergeht, klettern wir zurück aufs Boot. Die Gruppe fährt weiter und Nadia belehrt Kapitanski den Lärm etwas runterzuschrauben. Friedlich schaukelt unser Boot, während neben der Insel die Sonne langsam sich dem Meer nähert. Wir philosophieren über das Leben während der junge Kapitän neben seiner UE-Boom Box liegend die letzten Sonnenstrahlen aufsaugt. Der Himmel färbt sich in tiefes Orange  und dann lila als die Sonne, wie so oft hier, ein gutes Stück über dem Horizont verschwindet.

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Als es schliesslich dunkelt, deutet Kapitanski auf das Meer, beugt sich über den Rand des Bootes und fängt an mit seinem Arm im Wasser kreisende Bewegungen zu machen.  Es glitzert ein wenig. Ungläubig beuge ich mich auch über den Rand und berühre das dunkle Meer unter mir. Ich bewege meine Finger und ganz sanft tauchen winzige Lichtlein auf. Etwas enttäuscht schaue ich zu Nadia, die versucht das ganze erfolglos auf Fotos festzuhalten: „Das habe ich mir imposanter vorgestellt.“ Sage ich leise. Doch wie besessen von dem Glitzern rühre ich immer weiter im Meer. Es scheint, als würden die kleinen Sterne im Wasser langsam heller werden. Und dann wird es richtig stockdunkel. Man sieht die Insel nicht mehr. Weit weg schimmert Sihanoukville, die Sterne über uns vervielfachen sich und das Meer scheint wie ein schwarzes Loch das alles Licht in sich aufsaugt. Doch wenn ich  meinen Arm bewege glitzern nun grosse, blaue Sternchen um meine Haut. Ich stehe entschlossen auf und frage Kapitanski, ob ich schwimmen gehen kann. Er gibt mir eine Schwimmweste, die ich fest binde und klettere auf den vorderen Teil des Boots. Ich schaue hinab in die unendliche Dunkelheit und mein Herz pocht so laut durch die Nacht, dass ich Angst habe, die kleinen Fische erschrecken sich. Kapitanski und Nadia fangen an auf drei zu zählen. Und dann noch einmal. Und noch einmal. Zitternd stehe ich immer noch an der Kante zum Ozean und blicke in die nasse unendliche Masse, dann lasse ich los. Mit einem lauten Platschen tauche ich ins dunkle Meer. Glucksend vor Adrenalin tauche ich auf und schlage um mich. Es leuchtet hell um mich. Das Glitzern ist wie eine 5 cm Schicht um meine Haut und kitzelt ein wenig. „Du siehst aus wie eine Fee!“ Ruft Nadia staunend vom Boot. Einen Moment lang beobachte ich einfach fasziniert das Funkeln um mich und dann das Funkeln der Sterne über mir und ich vergesse das Boot, die Insel und die zwei anderen. Es ist als würde ich durch das Universum fliegen. Ich frage nach der Taucherbrille und bestaune die Magie unter Wasser. Das Meer ist so finster und weit und ich habe plötzlich Angst von einem riesigen Tintenfisch gepackt und unterwasser gezogen zu werden. Ich schlage um mich und bin dann wieder hin und weg von den blauen Lichtern, die aufleuchten und erlöschen und sich bewegen wie kleine Glühwürmchen.

Kann auf dieser Welt irgendetwas unmöglich sein, wenn es so etwas wie das gibt?

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Luminous Plankton; Bild aus dem Internet

 

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