Die Dinosaurier Hochzeit

hochzeit„he he he i lai i a laika a lai a lai alaikaaa“ tönt es laut von der Bühne, während wir mit den Einheimischen um einen Turm Kokosnüsse tanzen. Die Mutter der Braut hat uns zu diesem Tanz aufgefordert und  deren Wunsch kann man wirklich nicht ablehnen. Ich versuche mir den Tanz bei den anderen abzuschauen. Ein Schritt vor, einer zurück und dazu die Ellbogen anwinkeln und abwechselnd die Arme rhythmisch nach vorn bewegen und wieder zurück. Ich verkneife mir ein Grinsen. Wie eine Gruppe Tyrannosaurus Rex sehen wir wohl aus; mit grossen schwerfälligen Hüften und kurzen, unbeweglichen Ärmchen, dazu laute Livemusik.

Es hiess von Siem Reap ans Meer machen wir nur einen Stopp, nämlich in einem Dorf in der Nähe von Battambang – wieder ein „Homestay„. Noch geprägt vom letzten Mal „bei den Einheimischen Übernachten“, (unter anderem; Vodka Shots aus Höflichkeit trinken zu müssen, die Nachtruhe um 21:00 Uhr, nicht zu vergessen die krassen Zimmerregelung,) war ich doch etwas skeptisch, als ich am Morgen in den Bus stieg. Als der unser Minibus in eine immer ländlichere Gegend fährt, mache ich mich bereits auf das Schlimmste gefasst. Unser Guide erklärt das Nachmittagsprogramm und dass nach 20:00 Uhr Nachtruhe sein wird. Nach einer Weile kambodschanischem Grün, springt Tong plötzlich aufgeregt auf und verkündet, dass es eine Planänderung gibt. Die Tochter der Gastgeberin heirate und wir seien alle zur Hochzeit eingeladen. Aufregung verbreitet sich im Bus. Wie feiern die Kambodschaner wohl? Tong erzählt uns, dass Hochzeiten in der Regel drei Tage lang dauern. Heute sei der dritte und somit letzte Tag. Als wir in das Dorf einfahren, winken Kinder dem Bus entgegen. Wir erreichen das Haus der Familie, bei der wir übernachten. Der Grossvater liegt gemütlich mit einer Zeitung in der Hängematte und winkt gemächlich, während die Gruppe Kinder aufgeregt winkt. Unsere Gastgeberin, eine Frau um die 45, ist ganz aus dem Häuschen. Sie zeigt uns das Massenlager, in dem unsere kleine Reisegruppe übernachten wird.

Wir machen eine Dorfbesichtigung, ein paar der Mitreisenden verteilen Farben und Bleistifte an die Kinder, die uns in Scharen folgen. Wir betrachten das Schulgebäude von Aussen, während die Lehrer ein grosses Barbecue auf dem Schulhausplatz haben, deshalb sind die Kinder schon so früh mit ihren Fahrrädern unterwegs. Tong bringt die Stifte, die Stephen und ich in einer Buchhandlung gekauft haben, zusammen mit ein paar Heften und weiteren Stiften zu einem der Lehrer. Danach will Tong uns unbedingt eine Krokodilfarm zeigen, was zwar beeindruckend ist, dennoch nicht mein persönliches Highlight wird. Ich streichle lieber die kleinen Welpen, die mit ihrer tollpatschigen Art hoffentlich nie auf die Idee kommen in das grosse Gehege zu klettern, wo sie von gut 20 Kiefern zerfleischt werden würden.

Es reicht noch für eine kalte Dusche, bevor wir uns für die Hochzeit parat machen. Wenn wir Reisenden uns nicht schon vorher „under dressed“ fühlten, mit unseren einfachen Shirts und lockeren Hosen, dann bestimmt jetzt, als wir die zwei kleinsten Prinzessinnen sehen. Auch die Erwachsenen unserer Gastfamilie haben sich fein rausgeputzt. Unser Minibus hat noch viel übrigen Platz und so nehmen wir vom Grossvater bis zu den Kleinen alle mit an das Fest. Auf er vierzigminütigen Fahrt in die Stadt, halten wir einmal an, um zwei Männer einzuladen- Freunde von unserem Busfahrer, die er spontan eingeladen hat. Unsere bunte Truppe trifft bei der Hochzeit ein und ich wundere mich, wieso man die Feier direkt an der Hauptstrasse macht. Noch bevor ich aber all zu viel darüber nachgrübeln kann, stehen wir schon beim Eingang und werden freundlich begrüsst. Ich verbeuge mich vor schickangezogenen Leuten, die ich noch nie gesehen habe und erhalte ein Chupa Chup als Begrüssung. Die Location ist eine Werkstatt und ist voll mit runden Tischen mit weissen Tischtüchern. Die meisten anderen Gäste sind schon eingetroffen und essen von Platten in der Mitte der Tische. Ich werde zu einem fast leeren Tisch geschickt, während Stephen sein Chupa Chup in Empfang nimmt. Plötzlich steht ein fester Mann, mit Schnurbart und Anzug vor mir und strahlt mich an. Da die lokale Liveband ohrenbetäubend laut ist, verstehe ich ihn nicht so gut. Laut meint er auf Englisch: „Ich bin der Vater der Braut. Das ALLES habe ich organisiert. Schön bist du da, amüsiere dich!“.

Zusammen mit dem Busfahrer und seinen zwei Kumpels sitzt unsere Reisegruppe an einem der Tische. Wir bekommen den ersten von fünf Gängen serviert. Gemüse, Nüsse, Silberzwiebeln, Frühlingsrollen und  Würstchen. Darauf folgen über den ganzen Abend verteilt Hühnerfüsse, kleine ganze Tintenfischlein, komplette Fische und irgendwelche Innereien UND REIS. Zum Glück. Und Bier. Nach ein paar Dosen Leo Bier machen mir die kleinen steifen Füsschen, die mittlerweile überall am Boden liegen, nichts mehr aus. Ein Freund des Busfahrers sitzt zu meiner Linken und erklärt, dass das Paar bereits in Phnom Penh geheiratet hat. Drei Tage versteht sich. Und, dass diese Hochzeit für die Freunde und Bekannten in der Heimat der Braut sei. Manchen der Gäste sieht man es an, dass sie schon ein paar Tage feiern.

Taumelnd mache ich mich auf den Weg zur Toilette. Ich komme durch eine provisorische Küche. Ein paar Leute grillieren und kochen auf offenem Feuer, während andere am Boden sitzen und in Kübeln das Geschirr von Hand spülen. Die Toilette ist ein schlechtbeleuchteter Betonraum mit einem Loch im Boden und einer steinernen Badewanne und einer Pfanne daneben. Dieser Anblick schockt mich aber schon lange nicht mehr. Als ich zurück zum Tisch komme, werden wir bereits von der Mutter der Braut zum Dinosauriertanz aufgefordert.

hochzeit 1

Zwischen 20:00 Uhr und 21:0 Uhr wird die Party langsamer stiller. Viele Gäste gehen und lassen Tische voller Müll zurück, der vom Personal achtlos zu den Hühnerfüssen auf den Boden gewischt wird. In einem ansteigenden Berg von Müll trinken wir unsere letzten Biers fertig und werden dann von unserer Gastgeberin gebeten, zurück zum Bus zu gehen. Wir bestaunen auf der Heimfahrt den blutroten Mond und um 22:00 Uhr liegen wir alle brav in unseren Bettchen. Ich geniesse die frühe Bettruhe… Bis knapp nach 3:00 Uhr die Hähne losschreien und die Arbeiten im Dorf lauthörbar starten.

Als der Minibus um 7:00 Uhr losfährt richtung Sihanoukville, geht es nur ein paar Kurven, bis alle erschöpft in tiefen Schlummer fallen. 10 Stunden später sind wir am MEER!

 

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