Frischer Fisch

gify fishyMein Magen zieht sich unangenehm zusammen, als ich an einem Tisch mit rohem Fleisch vorbeikomme. Mit Tüchern versuchen die Frauen am Tisch die Fliegen zu verscheuchen, jedoch ohne Erfolg. Es stinkt nach Verwesung, es ist laut und heiss und ich konzentriere mich angestrengt auf meine Einkaufsliste.  „Bananen, Möhren ,Limetten. Gelb, orange, grün.“  Ich soll für die Frau, bei der wir wohnen, auf den Markt gehen. „Kein Problem“ habe ich gesagt. Verzweifelt versuche ich die erstickenden Fische in meinen Augenwinkeln zu ignorieren und bemühe mich, mich rasch durch den vollen Markt zu bewegen, um die paar Einkäufe zu erledigen. Obwohl es unglaublich schön war den Sonnenuntergang über dem Mekong zu bestaunen, hätte ich vielleicht doch nicht so trödeln sollen, damit ich zurück bin, bevor es dunkelt. Ich versuche mich vorsichtig an ein paar Leuten vorbei zu drücken und erblicke endlich ein Item meiner Einkaufsliste „Ha! Grün! Die Limetten!“

„Sabaidii!“ Die Frau hinter dem Früchtetisch strahlt mich an. Ich zeige auf die Limetten und sie fragt vielleicht wie viele ich möchte oder ob ich einen schönen Tag hatte, wer weiss. Ich versuche es mit Englisch: „One Kilo.“ Sie schaut mich kopfschüttelnd an und antwortet darauf in Laotisch mit einem Lächeln. Ich schaue sie zweifeln an. „One Kilo?“ Sie lacht und nickt, bewegt sich aber nicht. Nach ein paar mal hin und her mit Händen und Füssen, halte ich selbst einen Plastiksack in der Hand und fülle ihn mit (hoffentlich) einem Kilo Limetten. Den Preis zeigt sie mir mit 8 Fingern, was vermutlich für 8000 KIP steht. Sie nimmt das Geld und dankt. Ich danke auch und laufe weiter. „OK. Nun noch Möhren und Bananen.“ Die Möhren finde ich neben einem weiteren Fischstand. Dieses Mal blicke ich direkt auf die kleinen Fische auf der Plache. Sie zappeln und mit weitoffenen Augen starren sie zurück, während sie langsam ersticken. Frischer geht es nicht. Ich bezahle und atme erst wieder ein als ich mich Richtung Bananen bewege. „Nur noch die Bananen, dann kann ich zurück. Bananen. Bananen. Bananen. Bananaaaaaaaah!“ Ein riesiger Fisch springt genau vor mir aus einem Kessel und schlängelt sich vor meinen Füssen durch die enge Marktgasse. Noch bevor ich vor Schreck laut aufschreien kann, packt eine grobe Hand nach dem glitschigen Tier und zerrt es zurück in einen Kessel voll Wasser und anderer Fische. Der Kessel bebt und Wasser spritzt in alle Richtungen. Kreidebleich drücke ich mich wieder an ein paar Leuten vorbei, als ein kleines Mädchen mir freudig „HELLO!“ entgegen ruft. Ich versuche zu lächeln als ich ihr zurückwinke und frage mich was für ein Anblick ich geben muss. Als einzige Ausländerin, allein und etwas verstört auf der Suche nach Bananen.

Ich finde die Bananen und gehe mit einem Sack voll Früchte und Gemüse und einem Kopf voll Bilder, die ich nie vergessen werde, zurück.

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