Die Reiseapotheke

„Ich glaub ich schaff das nicht.“ „Doch, doch. Du gehst jetzt in die Apotheke und holst dir Neocitran und etwas gegen die Kopfschmerzen und dann bist du nach dem Mittag wieder parat.“ Sagte mein Chef beschwichtigend am Telefon. Ich nickte hustend, obwohl das am Telefon nicht viel Sinn machte und legte mit einem „OK“ auf. Ich zog also kurz darauf meine Arbeitsjacke aus, legte mein Tablet in unser provisorisches Materialdepot und ging zum Bahnhof Oerlikon, wo ich meinen Freund Stephen traf.  Wieder hustend umarmtem wir uns bevor wir dann gemeinsam ein Sandwich bei Dean and Davis holten und uns auf ein Bänkchen setzten. Da wir beide von dieser Grippe, oder was auch immer alle Leute in den letzten Tagen umwarf, betroffen waren, sagten wir nicht viel. Wir sassen da, assen unsere Sandwichs während der Wind blies und ein paar schon farbige Blätter über den kalten Boden tanzen liess. Mich fröstelte es ein wenig und wir wussten beide: Wir sind reif für die Tropen. Gut, dass wir schon gestern unseren Flug nach Bangkok gebucht haben. Doch trotz der Vorfreude fühlte ich mich schwach und ging, nachdem er den Zug nahm, wie angewiesen, in die Apotheke. Ich bat um das Neocitran und Dafalgan, damit ich den Rest des Tages wieder arbeiten könne, doch die junge Frau hinter der Theke starrte mich entsetz an: „Ich glaube Sie haben Fieber. Darf ich mal?“ Sie legte ihre Hand an meine Stirn und nickte: „Ja. Sie haben Fieber. Ich denke, Sie sollten nach Hause. Auch Ihre Augen sind ganz glasig, das ist nicht gut.“ Während ich mir noch überlegte, ob ich nicht einfach die Medis nehmen und zurück zur Arbeit gehen sollte, fing ich an zu torkeln, denn mir war richtig schwindelig.

Ich sass auf diesem Stuhl in einem kleinen weissen Hinterzimmer der Apotheke. Die junge Frau stellte mir ein Glas Wasser hin und nahm einen Fiebermesser hervor. Und während sie mir das kalte Teil in meine Achselhöhle hielt, fing ich an ihr von meiner geplanten Reise nach Asien zu erzählen. Und sie erzählte mir von ihren Reisen nach Thailand und Bali und den Menschen, die sie dort kennengelernt hatte. Wie sie in den Philippinen fünf mal am Tag betete und jede Woche in die Katholische Kirche ging und wie sie durch den Vietnam trekkte und den Strand vermisste und doch eine Wahnsinnszeit hatte. „Ich finde dass huere geil, dass du-..SIE das machen. Ich würde sofort mitkommen.“ Und genau dieser Moment war so menschlich und echt. Und wir redeten über unsere Arbeit und den Sinn dieser Welt, unserer Gesellschaft und wieso wir nicht mehr erleben. Denn dieses Leben kann doch nicht nur da sein um immer zu arbeiten, es muss mehr geben.

Ich ging zwar auf wackligen Beinen, mit Fieber und Husten heim- doch war ich motivierter denn je diese Reise durch Asien auf die Beine zu stellen. Zum erleben. Um Menschen zu treffen, Kulturen und Religionen kennenzulernen und neue Sichten auf das Leben zu finden.

Am 28. November geht es los.

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